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Montag, 12. August 2013

Plädoyer für einen Künstler

Als ich geboren wurde war Konstanz eine Kleinstadt und ich bin mitten in der Innenstadt aufgewachsen, ein rechtes "Konschtanzer Frichtle" also.
Seit fast 17 Jahren wohne ich in meiner jetzigen Behausung, damals Randgebiet. Da sich die Innenstadt durch See, Rhein und die Landesgrenze zur Schweiz nicht großartig ausdehnen kann, ist mein ehemaliger "Vorort" nun eine pulsierende Ader im Herzen der Metropole am See geworden. Man sollte eigentlich mitgehn, mit dem Puls der Zeit, aber ich sträube mich schon lange dagegen. Nicht weil ich rückständig bin, sondern weil ich einfach mit dem Mainstream nicht mithalten mag und mich der Lärm, der Verkehr, die Unruhe und Hektik welche Sommertouristen und schweizer Einkauftouristen verbreiten, mich in meiner Lebensqualität massiv einschränken.
Zwei Wirtschaften mit Außenbestuhlung habe ich vor meiner Türe - vom täglichen Verkehrsstau und -kollaps will ich ja mal gar nicht reden - an die Geräuschkulisse der Restaurants mit ihren Besuchern, vom gabelklappern übers messerkratzen auf den Tellern, bis hin zum Klirren der Gläser und dem ständigen Gelaber-Rhabarber-Palaver - man gewöhnt sich im Laufe der Jahre an Vieles ...
An was ich mich nicht gewöhne sind die zahllosen Straßenmusikanten welche hier mittags und abends ihre Kunst zum Besten geben. Tag für Tag, Sommer für Sommer die gleiche Leier!
Wer genehmigt diesen Dilettanten die Erlaubnis? Mir sträuben sich oft die Haare ab der Qualität der musikalischen Darbietung!
Mit der Besitzerin des einen Lokals verhandle ich nicht mehr, diese Frau kennt mich nicht obwohl wir quasi seit 17 Jahren Nachbarn sind. Die Straßenmusiker schütteln auf meine Beschwerden nur den Kopf denn Sie verstehen alle - warum? - kein Deutsch! Komisch, wa?
Ich wehre mich inzwischen auf meine Art! Ich drehe meine uralte und scheppernde Anlage bis zum Anschlag auf, solange bis der Musikant dort unten geht oder vom Personal der Wirtschaften vertrieben wird, bevor die Gäste gehen. *smile* Bitte nicht falsch verstehen - ruhige, harmonische und angenehme Hintergrundmusik akzeptiere ich. Ich wohne in der Innenstadt und muß Kompromisse eingehen oder wegziehen.
Letztens war ich wieder einmal voll am Abkotzen und habe die schrecklichste Mukke, welche ich habe, aufgelegt, denn der Saxophonist der mich zweimal täglich nervt und keinen Ton recht trifft war wieder direkt unter meinem Fenster. Bitte! Wenn schon Krach, dann aber hörbaren!
Während ich die Kneipen unten beschalle mache ich die Türe nach vorne zu und verziehe mich nach hinten. Habe schon mit dem Gedanken gespielt statt Musik aus den "Roaring sixties" und dem monotonen Bum-Bum-Bum des Techno, Wagner aufzulegen. Ähem, Kopfhörer würd ich dann natürlich aufsetzen oder außer Haus gehen! *lol*
Letztens hörte ich durch meinen entsetzlichen "Krach" hindurch wunderbare Töne. Diese drangen durch das Geschepper meiner alten Anlage und gegen meinen grusligen, wirklich furchtbaren Techno durch. Neugierig geworden stellte ich meine nervtötende Musik ab und ich hörte zum ersten Mal "Davide Martello" Klavier spielen. Gänsehaut überkam mich, sogar das eine oder andere Tränchen weinte ich ab der Schönheit dieses Moments und ich schämte mich dafür nicht früher auf diese wunderschöne Musik aufmerksam geworden zu sein.

Ich kannte den Mann mit dem Klavier vom Hörensagen, von seinem Auftritt beim "Türkischen Frühling" auf dem Taskim Platz. Links mag ich hier jetzt nicht anfügen, man google einfach nach "Davide Martello", ein begnadeter Virtuose am Klavier! Seit seiner Vorstellung vor meiner Türe bin ich Fan!
Gestern, bei seinem vorerst letzten Konzert in der Metropole am See kam es wohl zu Unstimmigkeiten mit der hiesigen Polizei, weil sich der Konschtanzer Geldadel, in bester Wohnlage gestört fühlte! Und das gegen 19 Uhr 30!
Eine Genehmigung hat er auch keine. Haben denn all diese unhörbaren Dilettanten, welche sich tagtäglich vor meiner Haustüre, oft 2 x täglich, die Klinke in die Hand geben, eine ordentliche Genehmigung?
Ich finde die Stadt sollte hier aussortieren, denn manche Straßenmusikanten treffen keinen Ton und es ist für die Anwohner eine Qual dem Gedudel ausgesetzt zu sein.

Der "Geldadel" am Seerhein fühlt sich ständig gestört, meist von feiernden, grölenden und trinkenden Jugendlichen. Mit Davide Martello ist nun ein junger Mensch da, der versteht mit seinem Spiel Menschen, ja sogar Generationen zu versöhnen, die grölende Jugend verstummt und lauscht verzückt seinem Spiel.
Ich habe das jetzt ein paar mal erlebt, wie eine Gruppe von 100, 150 oder sogar 200 Menschen in fast andächtiger Stille verharrt und dem Klavierspiel lauscht.
Davide Martello ist ein virtuoser "Zauberer" - er eint die Menschen, ob jung oder alt, ob Freak oder Spießer, mit seinem außergewöhnlichen Klavierspiel. Einige besonders verbissene und ewige Spielverderber gibt es aber scheinbar überall.

Gestern Abend kam es zum Eklat, die Polizei verwies Davide seines Stammplatzes auf der Fahrradbrücke. Dort hat er auch vor nicht allzulanger Zeit für einen Jungen gespielt und gesammelt der im Seerhein ertrunken ist, und somit dessen Beerdigung in Benin/Afrika mitfinanziert hat.
Die Jugend vermüllt oft die besten Plätze am See - besagte Brücke samt angrenzendem Park ist immer wieder sozialer Brennpunkt, da hier wohlhabende Bürger auf gewöhnliche, scheinbar ständig randalierende Jugendliche treffen.
Dieser junge Künstler, mit sizilianischen Wurzeln, eint die Generationen, ja sogar die Menschheit und ich finde es unglaublich, daß die Anwohner die Polizei riefen. Gab es einen Notfall? Meines Wissens nicht! Die sollen doch einfach dazusitzen und zuhören, dann wären Sie vielleicht weniger verbissen und hätten in ihrem unbefriedigten Spießbürgerdasein vielleicht einmal etwas Schönes erlebt.

Den Anwohnern dort würde ich nur einen Tag und eine Nacht in der Konstanzer Innenstadt empfehlen - Ihr würdet nie mehr über "Davide Martello" und dessen wunderbare Musik schimpfen.

Davide Martello, aka "Klavierkunst", ich wünsche Dir weltweit, was ja Dein Bestreben ist, ein besseres Publikum, welches Du gestern ( zum Teil ) in unserer Heimatstadt hattest.



Danke Davide! Auf ein Wiederhören spätestens im nächsten Sommer! Und Dir bei deinen weltweiten Projekten gutes Gelingen.

Freitag, 9. November 2012

Neues vom sagenhaften Wasserberg am Bodensee

Der November ist hier am See eigentlich der klassische Nebelmonat, doch er startete relativ mild und hell. Die Aerosolausbringungen gingen mehr oder weniger stark, aber stetig weiter. Wir hatten übers Wochenende stürmischen Südföhn und gab es zwischendurch auch einmal einen annähernd wolkenlosen Himmel, aber das Kunstwolkengeschmiere nahte spätestens am Nachmittag aus Südwesten. Bei Südföhn sollte der Föhnwind eigentlich aus südlicher Richtung wehen, die Wolken wurden aber eindeutig vom Wind mehr aus westlicher Richtung herangetrieben, was auch an den Wellen in der Rheinströmung zu erkennen war. Der durch den Bodensee strömende Rhein fließt unter der Rheinbrücke hindurch Richtung Westen, nach Basel, der starke Westwind blies dagegen an und so türmen sich, von Wind und Strömung gepeitschte, schäumende und tänzelnde Wellenberge auf.
Da mit dem Wetter ja soundso nichts mehr so ist, wie es sein sollte habe ich mich darüber nicht weiter gewundert.

Die Fernsicht war durch die Föhnwetterlage einmal mehr grandios. Am Freitag war der Himmel sogar für ein paar Stunden streifenfrei.



Am Samstag wurden wieder vermehrt Aerosole ausgebracht, aber die Fernsicht war richtig klasse. Freie Sicht bis Bregenz, vom Ufer des Konstanzer Hörnle aus.



Ohne diesen heftigen Wind und ohne die künstlich erzeugte Bewölkung wären die Temperaturen von Freitag bis Sonntag am Nachmittag sicherlich auf annähernd 20° gestiegen. Ich schätze an windgeschützten Stellen und etwas vom See entfernt konnte man sich im Bikini auf der Terrasse räkeln.
Am Sonntag brach dann der Föhn zusammen und ich erklomm den 22,8 m hohen Bismarkturm, um die letzten Eindrücke mitzunehmen.



Nachmittags erlaubte mir dann noch ein paar wenige Schwimmzüge in meinem schönen See, bevor die herbstlichen Temperaturen, abermals in den Keller gingen.

Die Fernsicht blieb trotz dem Zusammenbruch des Südföhns weiter erhalten, und so fuhr ich am Montag einmal mehr am Schweizer Ufer entlang, bis Altnau. Der Altnauer Schiffanlegesteg ragt dort 250 Meter weit in den See hinein und man blickt herrlich weit gen Westen bis Überlingen und Birnau, gen Osten nach Bregenz und über die Vorarlberger Alpen. Wahnsinnig, der See schaut so flach aus, eine weite Ebene ohne erkennbaren Wasserberg.



Am Samstag, dem Tag mit den besten Sichtverhältnissen, bedingt durch den klärenden und stetig heftigen Föhnwind, habe ich nach Sonnenuntergang übrigens vom Konstanzer Hörnle aus, die hell erleuchtete Autofähre in nicht ganz 20 Kilometern Entfernung gesehen, welche von Friedrichshafen nach Romanshorn verkehrt. Eigentlich müßte der sagenhafte Wasserberg die Sicht auf die Fähre fast gänzlich verbergen.
Ferner konnte ich sämtliche Sturmwarnleuchten um den sichtbaren Teil des Sees ausmachen. Nicht nur die naheliegenden von Meersburg und Fischbach, und den am schweizerischen Ufer liegenden, in Bottighofen und Uttwil, sondern auch die von Friedrichshafen, Langenargen, Wasserburg und Lindau, sogar die am österreichischen Seeufer in Bregenz gelegene, in rund 44 Kilometern Entfernung!
Ein herrliches Schauspiel! Wie eine Lichtorgel blinkten die orangenen Sturmwarnleuchten in regelmäßigen Abständen, welche man eigentlich wegen des sagenhaften Wasserbergs überhaupt nicht sehen dürfte.

Aufgrund dieser wiederholten Beobachtung über den nichtexistenten Wasserberg wollte ich Wikipedia darauf aufmerksam machen, daß der dortige Artikel über den Wasserberg und die Erdkrümmung nicht korrekt ist. Leider wollen die Administratoren dort Beweise und Belege, welche ich mit meinem bescheidenen Teleobjektiv nicht erbringen kann.

Von daher sucht die Bürgerinitiative Flacher Bodensee weiter nach einem mutigen Fotographen mit einem richtig guten Teleobjektiv, der daran interessiert ist, endlich die Wahrheit über den sagenhaften Wasserberg am Bodensee ans Licht zu bringen.

Donnerstag, 16. August 2012

Der Bad-Man vom See

Am Kanal kurz vor "El Fischos" Brückensockel,
da sonnt sich oft ein ehrlich gruseliger Jockel.
Hat Ähnlichkeit mit dem Tyrannenadler,
und wirkt so nass noch viel brutaler!



Sein Schnabel hat was von nem Neuweltgeier,
damit klaut er massig Fisch von meinem Brückenreiher.
Die kleinen Fischle, die verschmäht er meist
und füllt mit großem Fisch den Magen dreist.



Wie eine Mastgans voll gestopft,
er viel Scheiße auf die Bäume tropft.
Wo er in Kolonien auf den Bäumen lebt,
kein Grün am Baum mehr nach der Sonne strebt.



Zum Trocknen breitet er die Flügel aus,
und erinnert an ne riesengroße Fledermaus!
Er ist am See ein unwillkomm' ner Gast,
längst macht er nicht am See nur Rast.



Er ist der "Schwarze Mann" am See,
für unsern Fisch die "Todesfee".
Der Kormoran gehört im Maß zum Abschuss frei,
geräuchert trüge seine Brust, dem Mensch zur Gaumenfreude bei.



Die Aufnahmen vom Kormoran am Kanal stammen von mir, das Innenleben und die Population in den verätzen Bäumen habe ich von der Site http://www.fisch-hitparade.de/angeln.php?t=14735&page=60 kopiert.