Das Jahr 2012 scheint für mich das Jahr der Erkenntnisse zu werden, oder besser das Jahr in dem ich begann neue Erkenntnisse über die Welt in der ich lebe zu gewinnen. Erkenntnisse, wie zum Beispiel die mutwillige Ausbringung hochgiftiger Substanzen am Himmel. Erkenntnisse, welche mein ganzes bisheriges Lebenskonstrukt so ziemlich über den Haufen werfen. Erkenntnisse, welche schier unglaublich sind und durchaus schmerzhaft. Und trotzdem bin ich dankbar dafür, denn es lebt sich allemal besser mit einer schmerzlichen Wahrheit, die viele mir vorher unerklärliche Dinge, auf einmal klar erscheinen lässt.
Es begann eigentlich schon im letzten Jahr, als mich ein Bekannter, der meine Fotos vom herrlichen Bergpanorama bei bestechender Fernsicht gesehen hatte, gefragt hat, ob man bei solch einer klaren Sicht bis Bregenz, in knapp 46 km Entfernung sehen kann. Jedes Schulkind bekommt hier im Heimat- und Sachkundeunterricht gelehrt, dass man auf Grund des "Wasserbergs" Bregenz von Konstanz aus nicht sehen kann. Ich war wohl krank oder habe geschwänzt, als wir in der Schule vom Erdkrümmungsmärchen gelehrt bekamen, denn ich war vollkommen unsicher und habe deswegen gegoggled. Bei Wikipedia wurde ich fündig und erfuhr, dass Bregenz auch bei guter Fernsicht nicht sichtbar ist, dazu müsse man 166 Meter hoch steigen, da die Sicht auf Bregenz durch den "Wasserberg" verdeckt werde.
Heute schäme ich mich dafür, dass ich den Mist den Wikipedia uns weismachen will einfach nachgeplappert habe, ohne mich nur ansatzweise vom Wahrheitsgehalt des Artikels zu überzeugen.
Anfang diesen Jahres hörte ich dann von einer Bürgerinitiative Flacher Bodensee, kurz BIFB genannt. Die BIFB fordert freie Sicht auf Bregenz.
Update Dezember 2015:
Die Bürgerinitiative Flacher Bodensee und ihr Anliegen
In unserem Stadtgarten steht eine Informationstafel, welche jeden interessierten Bürger und Besucher unserer Metropole am See aufklärt, dass man am Bodensee die Erdkrümmung beobachten könne. Daneben steht ein Münzfernrohr, mit welchem man sich davon überzeugen kann, dass man Bregenz vom Ufer aus nicht sehen kann.

Nun beobachte ich seit geraumer Zeit den See und musste feststellen, dass die Schlosskirche in Friedrichshafen komplett sichtbar ist. Normalerweise müsste der "Wasserberg" die Sicht auf den unteren Teil der Kirche verdecken.
Auch von der Autofähre, welche von Friedrichshafen nach dem schweizerischen Romanshorn fährt ist der Rumpf in seiner Gesamtheit zu sehen.
Ferner habe ich auch schon Schloss Montfort, in Langenargen mit dem Fernglas gesehen. Leider ist das Teleobjektiv meiner Kamera nicht geeignet um Objekte auf diese Entfernung deutlich abzulichten.
Um mich von der genauen Lage der Schlosskirche in Friedrichshafen und von Schloss Montfort in Langenargen zu überzeugen bin ich ja extra letzen Monat mit dem Katamaran übergesetzt.
Die Kirche liegt genauso über dem Wasser wie auf meinem Foto. Schloss Montfort liegt direkt am Ufer, nicht erhöht, deswegen müsste es von Konstanz aus komplett vom "Wasserberg" verdeckt sein.
Auf dem Rückweg sah ich die Silhouette von Konstanz in seiner Gesamtheit, als der Katamaran gerade mal Friedrichshafen verlassen hatte, und die Silhouette meiner Heimatstadt kenne ich ganz genau! Der untere Teil müsste vom "Wasserberg" verdeckt sein, wenn er denn existieren würde!!!

Aber was war mit Bregenz, der Stadt der Festspiele, am gegenüberliegenden österreichischen Seeufer welche viel weiter entfernt ist, als Friedrichshafen und Langenargen?
Ich habe lange gezögert, ab und an wieder vergessen, da mir die Verarbeitung der täglichen, zum Teil massiven Aerosoloperationen recht zu schaffen gemacht haben.
Inzwischen hat es die BIFB geschafft bei der Stadtverwaltung, der Tourist-Information und dem hiesigen Tourismusförderverein, welcher für die Aufstellung der Tafel mit dem Erdkrümmungsmärchen verantwortlich ist, Aufmerksamkeit zu erregen.
Der Chef der Tourist Information Konstanz wollte sich der Sache sogar annehmen und sich bei guter Sicht davon zu überzeugen, ob Bregenz tatsächlich vom Ufer aus sichtbar ist.
Ein Journalist des hiesigen Lokalblattes hat sich allerdings recht über die Aufdeckung einer Lüge in einem Artikel belustigt, was ich bei der Brisanz des Themas total daneben fand.
Rätsel über Rätsel
Hätte der Autor sich einmal die Zeit genommen und bei guter Fernsicht, wie sie hier am letzten Wochenende geherrscht hat, sich selbst zu überzeugen, dann hätte er sicher die selbe Erkenntnis gewonnen wie ich und sich hoffentlich für seinen Fauxpas mächtig geschämt.
Der Bodensee ist flach! Ich habe mich mit einem Blick durch das Fernrohr neben der Desinformationstafel im Stadtgarten davon überzeugt. Ich habe eindeutig die Uferpromenade von Bregenz gesehen.
Den Chef der hiesigen Tourist Information habe ich allerdings nicht gesehen, er hätte sich bei bestechend guter Fernsicht selbst davon überzeugen können, dass der See flach ist und die Beobachtbarkeit der Erdkrümmung ein Märchen, eine dreiste Lüge ist!
Freundlicherweise wurden mir zwei Fotos überlassen, auf der Bregenz einigermaßen deutlich zu erkennen ist. ( alle Bilder lassen sich anklicken und vergrößern.)


Vielleicht liest dieses Posting ein Fotograf aus der Gegend und hat den Mut mit einem guten Teleobjektiv bessere Fotos zu machen und mir zukommen zu lassen, damit die Lüge vom "sagenhaften Wasserberg" endlich aufgedeckt werden kann.
Nun habe ich mich der Bürgerinitiative Flacher Bodensee angeschlossen und fordere alle Konstanzer Bürger und alle Besucher und Touristen dazu auf sich selbst ein Bild vom Bregenzer Ufer zu machen.
Natürlich fordere ich als Seekönigin die Stadtverwaltung auf, die Desinformationstafel im Stadtgarten zu entfernen. Die Stadt Konstanz macht sich im Kollektiv lächerlich in dem sie eine widerlegbare Lüge verbreitet.
Darum fordere ich: Weg mit dem Wasserberg und freie Sicht auf Bregenz!
Was jeder einzelne meiner Leser mit meiner Erkenntnis der Wahrheit anfängt, ist jedem selbst überlassen. Aber als wahrheitsliebende Königin war es mir ein Bedürfnis meine Untertanen über die Lüge, die hier übrigens rings um den See verbreitet wird, aufzuklären.

























