Schon ein nach wenigen Monaten ist er mir mal vom Wickeltisch "gehüpft" und kurz darauf ist er durch die Wohnung "gerobbt". Mit seiner Hibbeligkeit und ständigem Bewegungsdrang hat er sein soziales Umwelt des Öfteren fast zur Verzweiflung getrieben. Im Kindergartenalter war es noch nicht so tragisch, aber mit dem Tag der Einschulung fingen die Probleme und der Ärger an. Bei einem Test auf AHDS schnitt er negativ ab. Es wurde nur eine erhöhte motorische Aktivität von der zuständigen Stelle diagnostiziert.
Alles was Stillsitzen und Stillhalten betraf war ein Kampf. Einkaufen gehn, Essen gehn, Freunde besuchen, seine Aktivität war nicht zu zügeln. Er erklomm wie ein Artist die glattesten Laternenpfosten und kletterte wie ein Affe in die schwindelerregenden Höhen der höchsten Baumkronen. Es gab Zeiten da war ich nervlich am Ende. Angst um meinen "Klettermaxen" hatte ich bald nicht mehr, es blieb mir nichts anderes übrig als auf Glück zu vertrauen. Mit 16 hatte er einen Fahrradunfall, sein rechter Oberschenkel wurde geröntgt und man stellte fest, dass er irgendwann mal einen Oberschenkelhalsbruch hatte, der erstaunlicherweise glatt verheilt war. Ansonsten muss er wohl so etwas wie einen Schutzengel gehabt haben. Wenn er gefallen ist, ist er immer ähnlich einer Katze gelandet.
Um dieses Energiebündel angemessen und stressfrei durch den Tag zu bringen war immer Programm und Spontaneität angesagt- natürlich Nerven wie Drahtseile.
Irgendwann bekam er eine Angel geschenkt und ich hatte so meine Zweifel, ob mein "Zappel-Phillip" mit diesem Geschenk glücklich werden würde.
Ich wurde eines Bessern belehrt und stellt mit Erstaunen fest, dass mein Lausbub stundenlang ruhig, in vollkommener Bewegungslosigkeit verharrend, mit seiner Angel am Wasser sitzen konnte.
Vor dem Fischen hat er erst mal halbe Wiesen auf der Suche nach fetten Regenwürmern umgegraben.
Ab Dato sind wir nur noch in Angelferien gefahren. Wir haben sämtliche Flüsse im Süden Frankreichs beangelt, wild gecampt und abends am Feuer gab es die Ausbeute vom Tag. Nie wieder sind wir genervt und gestresst aus einem Urlaub nach Hause gekommen.
Als er acht Jahre alt war, machten wir drei Wochen bei Bekannten auf La Gomera Urlaub. Ständig war mein Kind verschollen und anfangs machte ich mir riesengroße Sorgen und die freundlichen Gomeros halfen bei der Suche. Ich hätte es mir denken können! Er hat sich zu den Fischern am Hafen verzogen.
Er war fasziniert von den Booten, den Netzen, den riesigen Thunfischen und den vielen glitzernden, sich windenden Meeresfische, die sich aus vollen Netzen in den Bäuche der Fischerboote ergossen.
Diese Angelleidenschaft hat bis heute angehalten. Die Ruten, das Zubehör, die jährlich fälligen Gebühren für Gewässerkarten, Fischereierlaubnis und die Mitgliedschaft im Angelsportverein kosten ihn ein kleines Vermögen, von seinem sauer verdienten Lehrlingsgeld.
Ich, die stolze Mutter, bin natürlich hellauf begeistert von des Söhnchens großer Leidenschaft. Zum Einen ist er im Angelsportverein gut aufgehoben, engagiert sich bei der Aufzucht von Jungfischen, der "Seeputzete" im Frühjahr, dem Kampf gegen den eigentlich hier nicht heimischen Kormoran und Vielem mehr.
Zum Anderen wird unser Speiseplan von fangfrischen, gesundem Fisch aller Arten bereichert.
Es gibt Filets vom Kretzer, einer heimischen Weißfischart. Steaks und Fischküchle vom Hecht, selbst geräucherte Felchen, ab und an Äschen, die als Delikatesse gelten und von daher recht teuer gehandelt werden.
Auch dieser majestätisch anmutende Fisch aus dem voran gegangenen Sommerrätsel der Seekönigin steht des Öfteren auf unserem Speiseplan.
Es ist eine Seeforelle, man nennt sie hier unten am See unter anderem "Seekönigin".
Geködert werden die "Früchte" des Bodensees nicht nur mit Regenwürmern sondern mit Maden. Die halten sich wie bereits berichtet wochenlang im Kühlschrank frisch, ohne sich zu verpuppen.