Mittwoch, 10. Juli 2013

Flucht

Derzeit habe ich überhaupt keine Lust auf stundenlanges Sonnenbaden. Ewig die selben Gesichter, alleweil derselbe Ratsch und Tratsch. Man kann ja einfach nicht recht weghören, wenn sich in der Hitze die Erfrischung suchenden Mitbürger am See- oder Rheinufer drängen.
Die überaus interessanten Gespräche^^ der Rentnergang, welche eine schattige Parkbank besetzt halten obwohl sie alle mit Klappstühlen ausgestattet sind - Fremde werden solange saudumm vollgeschwätzt bis sie freiwillig verschwinden. Wenn ein tratschwilliger Bekannter aus dem Paradies ( so heißt der Stadtteil am Rheinufer ) vorbei kommt wird ein Sitzplatz auf der Bank frei gemacht und einer der leerstehenden Stühle besetzt. Dann wird in vergrößerter Runde weiter gelästert was das Zeug hält oder über sämtliche Zipperleins, Krankheiten und die neuesten Therapieversuche vom Onkel Doktor lamentiert. Ja was interessiert mich denn welche Hämorrhoidensalbe die wirksamste ist?

Die Mitmenschen welche sich am lautesten über die Datenspionage im Internet empören, erzählen lautstark die intimsten Dinge ihrem Gegenüber am Handy.
Hey!
Ja glaubt ihr denn ich will hören welche Beschaffenheit der Schiß am Morgen hatte oder das Heinz Günther die ganze Nacht vor dem Fernseher gepennt hat anstatt Irene endlich mal wieder ordentlich durchzuficken?
Es geht mich, und auch den Rest der Welt einen feuchten Kehrricht an, daß die Evi geile Titten und einen noch geileren Arsch hat und der schwarzgefärbte Mitfuffziger im Tanga auf dem Handtuch neben mir, mit Evi außerehelichen Analverkehr in der Sauna vom Oli hatte.

Es interessiert mich alles nicht, aber überhören gelingt auch nicht und Ohropax - ja Ohropax schmilzt bei der Hitze doch glatt weg.

Die (Renn-)Radfahrer düsen mit einem Affenkaracho zwischen den Badenden und den spielenden Kindern durch, ab und an schrecke ich wegen so einem verkappten Möchtegern Lance Armstrong von meinem "Um die Ecke gedacht"-Rätsel hoch, die Kästchen wollen sich einfach nicht füllen, denn Denken oder Abschalten ist in dem Tohuwabohu gar nicht möglich.

Es ist quasi dasselbe wie am Seeuferweg und an meinem Steg.

Und so flüchte ich neuerdings täglich aus meiner Metropole am See und suche mir ein ruhiges Plätzchen im näheren oder weiteren Umkreis - zum Glück ist mein Königreich so groß!
Am ruhigsten ist das Schweizer Ufer, egal ob Ober- oder Untersee. Die Eidgenossen machen im Dütschä Urlaub und den Dütschä sind die Preise in der Schweiz zu teuer, denn der Schweizer Franken steht im Gegensatz zum Euro hoch im Kurs.
Was für ein Glück für die ruhesuchende Königin.

Heute war ich endlich einmal am Altnauer Schiffsanlegesteg schwimmen.



Er wurde erst 2010 eröffnet und ist wegen der weiten Flachwasserzone um Altnau mit 270 m der längste am ganzen Bodensee. Da Stege auf mich eine gewisse Anziehungskraft ausüben, ist diese weit in den See hinausragende Anlegestelle irgendwie besonders faszinierend. Den Ausblick dort draußen habe ich schon des öfteren genossen, aber Badewetter war bei meinen Besuchen nie.
Auf den asphaltierten Bodenseeradweg in der knallen Sonne hatte ich keine Lust und so habe ich mein Rad die meiste Zeit über den schattigen Wanderweg direkt am Seeufer entlang geschoben. Knappe neun Kilometer bei der Hitze sind zwar recht schweißtreibend, aber die Ruhe und der Blick über den See entschädigt und zudem kann man jeder Zeit zum abkühlen kurz in See hüpfen. Herrlich!
Hübsch sind die Badehäusle auf Stelzen, welche ich bisher immer nur am Schweizer Ufer entdeckt habe. Leider müssen diese gegen unbefugtes Betreten massiv gesichert werden - es scheint es gibt in dieser Zeit keinen Respekt mehr vor dem Eigentum anderer.



Zuerst war ich etwas erschrocken über die Menschenmassen welche auf den Altnauer Steg drängten, aber die Ankunft des Fährschiffes von Hagnau überm See stand bevor. Als dieses seine menschliche Last ausgespuckt und die nächste eingesammelt hatte war der Steg fast menschenleer.
Ungestört von nervenden Touristenhorden gab ich mich zunächst der etwas vom Dunst getrübten Aussicht hin.

Der Blick vom Steg nach Westen Richtung Konstanz



und nach Osten in Richtung Romanshorn.



Hocherfreut genoß ich in der kleinen Bucht das herrliche Wasser in mehr als einem ausgiebigen Bad. Windstill, fast menschenleer und das Wasser so tief und klar, das lud förmlich zum abkühlen und bleiben ein.



Ein paar aufgestellte Buben paddelten dort auf ihren Luftmatratzen um die Wette und ich bekam die ehrenvolle Aufgabe die imaginäre Startpistole auszulösen und die Zeit zu stoppen.
Das hat mir richtig Spaß gemacht. ;-)



Hier komme ich sicher demnächst wieder her, vielleicht habe ich nächstes Mal mehr Glück mit der Sicht, heute konnte man nicht einmal Romanshorn und auch das gegenüberliegende Hagnau in nur fünf Kilometern Entfernung recht erkennen.


Kommentare:

Helga hat gesagt…

:-) :-) :-)

Hallo Juana!

Einen schönen Mittag!

Ich lach mich kaputt!

Ja sag mal?

Warum kann ich hier am anderen Ende des Sees solch "frivole" Gespräche nicht mithören???? :-( ... da tät ich mein Ohren aufsperren! :-)

Hier geht es meist nur um die besten Walkingstecken oder den nächsten Törn mit dem Segelboot ......... obwohl schon manch Einer von den "von mir Belauschten" eher ans "Probeliegen" denken sollte!

Aber ich fühl mich recht wohl im "Rentner-Paradies" - denn da pass ich ja auch hin! :-)

Majestät - schöne Bilder hast du wieder geschossen ...

Ein Holldrio vom schon "seehasen-geprägten" anderen Ufer ... Helga

Seekönigin hat gesagt…

*lach* Helga!

Du tätest da deine Ohren aufsperren? Jetzt lach ich mich aber auch kaputt! Ich werd da beim zuhören rot bis hinter beide Ohren. *lach*
Da ich keine Lust auf das Getümmel habe suche ich mir immer ein Plätzchen am Rand im Schatten, vielleicht fühlte sich der aufgefärbte Schönling dort ungestört oder vielleicht wollte er auch vor mir angeben - ich weiß es nicht.
Erreicht hat er damit jedenfalls meine volle Ignoranz - durch solche Schwachmaten schaue ich durch als wären sie nicht existent. ;-)
Es könnte natürlich auch sein daß ich so unauffällig bin, daß er sich alleine wähnte ...
Ich find's jedenfalls peinlich und den Besitzanspruch der Alteingesessenen auf die Bank, gegenüber den Reigschmeggde auch. Nächstens kommt noch Stacheldraht drumherum wie an dem hübschen alten Badehäusle.

Wenn die Sicht besser gewesen wäre, dann hätte ich sicher am Gelbfüßler Ufer ein paar Zehen über den Rand einer Balkonbrüstung ragen sehen können. ;-)

Ich wünsch Dir einen schönen Nachmittag.

Juana